23. März 2026

Nachlese: Demografietagung Digi+ 2026

Im Rahmen der Digi+ Demografietagung 2026 stand heuer ein zentrales Thema im Fokus: Wie kann es gelingen, die Potenziale älterer Arbeitnehmer:innen besser zu nutzen und generationenübergreifendes Arbeiten nachhaltig zu stärken?

Besonders gefreut hat uns die Eröffnung durch Bundesministerin Korinna Schumann des Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz  sowie DDr. Michael Morass stv. Referatsleiter Generaldirektion Beschäftigung der Europäischen Kommission als auch der Austausch mit zahlreichen Expert:innen aus Praxis und Forschung sowie die vielfältigen Sessions und Workshops.

Demografischer Wandel als Chance
Die Keynote von Alexander Willim machte deutlich: Mit zunehmendem Alter wachsen zentrale Kompetenzen wie Resilienz, Stressmanagement und soziale Fähigkeiten. Auch Kreativität nimmt oft zu. Umso wichtiger ist ein gesellschaftliches Umdenken – weg von Defizitbildern, hin zu einer stärkeren Anerkennung dieser Ressourcen.Einblicke der OECD von Dr. Leonie Wesshoff zeigen: Die Beschäftigungsquote älterer Menschen liegt in Österreich weiterhin unter dem Durchschnitt. Gleichzeitig fehlt es an Mobilität im Erwerbsverlauf sowie an gezielter Förderung für Mid-Career-Phasen. Initiativen wie lebenslanges Lernen, kompetenzbasierte Einstellungsverfahren („Skills-based Hiring“) und altersgerechte Arbeitsplätze sind zentrale Hebel.

Digi+ als Good Practice
Unser ESF+ Projekt Digi+ wurde Seitens der Europäischen Kommission als gelungenes Beispiel hervorgehoben:

  • partizipativer Ansatz mit starker Einbindung der Mitarbeitenden
  • langfristige Begleitung von Unternehmen
  • Fokus auf Führung, Kultur und transparente Rollenverteilung

Die Erfahrungen zeigen: Veränderungsprozesse brauchen Zeit, klare Rahmenbedingungen und aktive Mitgestaltung, auch wenn diese mitunter herausfordernd ist.

Arbeiten im Alter neu denken
Die Keynote von Dr. Prof Jürgen Deller rückte die Frage in den Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen längeres Arbeiten gut gelingen kann. Mit dem „Later Life Work Index“ wurde ein Instrument vorgestellt, das Organisationen dabei unterstützt, altersgerechte Arbeitsbedingungen messbar und gestaltbar zu machen.

In der Podiumsdiskussion unter anderem mit Vertreter:innen der Plattform Arbeit und Alter  wurde deutlich, wie wichtig konkrete Maßnahmen in der Praxis sind: generationenübergreifendes Lernen, neue Formen der Zusammenarbeit wie Reverse Mentoring sowie eine bewusste Gestaltung von Arbeitsorganisation und Gesundheit über den gesamten Erwerbsverlauf hinweg.

Fazit: Mehr als nur ein demografisches Thema
Die Tagung hat klar gezeigt: Die größten Hürden liegen oft nicht in fehlenden Instrumenten, sondern in bestehenden Vorurteilen und Altersdiskriminierung. Viele Annahmen etwa zu Krankenständen oder zur digitalen Kompetenz älterer Menschen  halten einer genaueren Betrachtung nicht stand.

Gleichzeitig wird deutlich, dass altersgerechtes Arbeiten ist kein Randthema, sondern ein gestaltbarer Prozess über den gesamten Erwerbsverlauf hinweg. Dafür braucht es früh angesetzte Maßnahmen, echte gelebte Diversität und eine Unternehmenskultur, die Lernen nicht nur als betriebliche Notwendigkeit, sondern als Teil der Fürsorgepflicht versteht.

Ein zentrales Spannungsfeld bleibt der fehlende Dialog denn während für jüngere Mitarbeiter:innen oft klare Karrierepfade existieren, fehlen vergleichbare Perspektiven für ältere Beschäftigte. Umso wichtiger sind transparente Entwicklungsmöglichkeiten, neue Rollenbilder und gezielte Anlaufstellen sowie Beratungsangebote.

Arbeiten im Alter bedeutet auch: weiterhin beitragen zu können, Erfahrung einzubringen und gesellschaftlich wirksam zu bleiben. Damit das gelingt, braucht es mehr Anerkennung und ein Umdenken in Betrieben wie auch in der Gesellschaft. Denn letztlich gilt: Alle Generationen sind Leistungsträger:innen und ihr Beitrag zum  gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhalt ist gleichwertig.

© Fotos 1-3: BMASGPK, Foto: 3-7 Daniel Shaked,

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