25. September 2026

Was ein Projekt erfolgreich macht – Einblicke vom ESF+ Forum in Klagenfurt

Treffen sich eine Tirolerin, ein Wiener und zwei Salzburger in Kärnten … klingt wie der Beginn eines guten Witzes, war aber der Anfang zweier extrem inspirierender Tage. Tatsächlich kamen beim informellen Diskussionsformat Mitte September 2026, dem ESF+ Forum, rund 20 Personen aus allen Ecken Österreichs zusammen, um sich inhaltlich über den Europäischen Sozialfonds Plus auszutauschen.

Eine Frage dominierten die Gespräche des zweitägigen Besuchs in Klagenfurt: Was macht ein Projekt erfolgreich?

Den ersten durchaus emotionalen Denkanstoß bot das ESF+ Projekt „re(ad)dress  – Einstieg in den Umstieg“ der Diakonie de la Tour. Das Projekt begleitet eine besonders schutzbedürftige Zielgruppe (nämlich Sexarbeiterinnen), eine neue berufliche Perspektive zu finden. Die persönlichen Einblicke einer ehemaligen Teilnehmerin zeigten eindringlich, dass die Teilnahme nicht einfach nur hilfreich, sondern lebensverändernd war.

„Ich bin heute ein anderer Mensch“ – Projektteilnehmerin

9 von 16 teilnehmenden Frauen konnten im Projekt erfolgreich im Umstieg begleitet werden und sind nicht mehr von Sexarbeit abhängig. Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick gering wirken, waren sich die Mehrheit der Anwesenden einig: die kosten- und personalintensive Arbeit hat eine unumstrittene Wirkung, da mit dem Projekt Biografien umgeschrieben und Lebenswege auf Dauer positiv beeinflusst werden konnten.

Und was waren nun die Stützen des Erfolgs?

  • Die Offenheit der umsetzenden Stelle,
  • die Einbindung erfahrener Partner (in dem Fall die ehemalige aidsHilfe Kärnten)
  • das Einfließen von Erfahrungen aus der Zielgruppe
  • Flexibilität und Vertrauen
  • Aber auch das Aushalten von Scheitern und Hindernissen

Ein zweiter Projektbesuch bei 4everyoung.at ergänzte die Diskussion. Hier finden Menschen, die den Anschluss an den Arbeitsmarkt verloren haben, im Rahmen des Projektes „EINfälle statt Abfälle“ wieder eine Beschäftigung. Hauptgeschäft ist das Recycling und Upcycling von alten Computern und Stoffen, wobei kreative und stylische Produkte entstehen. Das Projekt ist dabei ganz klar „keine Bastelstunde“. Teilnehmende sammeln Know-How sowohl in Handwerk und EDV als auch in administrativen Aufgaben.

Die schönen Produkte dieser sozialen und nachhaltigen Kombination können im hauseigenen Online-Shop erstanden werden: https://www.gutedinge.at/

Tag 2 schloss nahtlos an das Erlebte am ersten Tag an und beschäftigte sich hauptsächlich mit den Kriterien für die Bewertung von ESF-Maßnahmen. Erfahrungen aus anderen Mitgliedsstaaten zeigen, dass Kostenwirksamkeitsanalysen ein nützliches Instrument sein können, um den Nutzen von vor allem kostenintensiven Projekten zu untermauern. Derartige Vorhaben, wie z.B. das tags zuvor gesehen re(ad)dress, eröffnen langfristige Perspektiven und generieren Einsparungen für den Staat vor allem im Gesundheitsbereich, die weit über den Projektrahmen gedacht werden müssen.

ESF-Projekte schaffen durch ihre Konzentration auf schwer erreichbare Zielgruppen einen messbaren gesellschaftlichen Mehrwert. In diesem Sinne unterstrich das Forum dank der ausgewählten Praxisbeispiele und fachlichen Diskussionen eindrucksvoll das große Engagement aller Beteiligten.

Was als länderübergreifendes Treffen in Klagenfurt begann, hinterlässt eine klare Botschaft: Ein Erfolgsfaktor von ESF-Projekten liegt im Engagement für Menschen, deren Lebenswege dadurch nachhaltig verändert werden.

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